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Lieferantenverzeichnis: Lackierroboter

 

Lexikon: Lackierroboter

Synonyme: Beschichtungsroboter

Lackierroboter, Beschichtungsroboter

Quelle: Dürr Aktiengesellschaft

Definition

Lackierroboter sind spezialisierte Vertikal-Knickarmroboter zur automatisierten Handhabung von Farb- und Pulverspritzpistolen, die beliebige Bewegungen einschließlich Kippbewegungen in alle Richtungen ermöglichen und bezüglich der Armgeometrie, Reichweite, Tragkraft, Geschwindigkeit, Programmierung und Ausrüstung zum Lackieren bzw. Beschichten ausgelegt sind. Im Roboterarm können zusätzlich z. B. integrierte Medienführungen, Ventile, Dosierpumpen oder Farbwechsler integriert sein. Die mögliche Installation des Roboters auf einer Verfahrachse parallel zur Förderstrecke gestattet es, eine Karosserie in der Förderbewegung zu beschichten. Zusätzlich können speziell ausgestattete Handhabungsroboter erforderlich sein, um Karosserieteile wie Türen und Hauben während des Lackierprozesses zu öffnen und zu schließen.
Die Programmierung kann über das Teach-in mit manueller Führung des Roboterarms erfolgen, wodurch die erforderliche Bewegungssequenz des Spritzwerkzeugs abgespeichert und automatisch wiederholt werden kann.

Funktionsprinzip

Ein typisches Programmierverfahren für Lackierroboter ist das Teach-in, bei dem der Roboterarm oder ein spezieller Programmierarm manuell für einen Lackierdurchgang von einem erfahrenen Werker geführt wird. Die gesamte Bewegungssequenz wird über die integrierten Wegaufnehmer des Roboterarms in einem bestimmten Zeitraster Punkt für Punkt gespeichert. Die abgespeicherte Sequenz wird als Programmvorgabe genutzt und lässt sich anschließend im Automatikbetrieb Punkt für Punkt reproduzieren, was als Multipoint-Steuerung bezeichnet wird. Wenn die Arbeitswege die Reichweite eines Werker überschreiten, kann die Programmierung auch über die Koordinaten des Werkstücks erfolgen.
Durch ihre hohe Beweglichkeit und Reichweite können die Roboter nicht nur die Außenseite, sondern auch den Innenraum von Karosserien beschichten. Falls es erforderlich ist, werden montierte Türen und Hauben durch anwendungsspezifische Handhabungssysteme wie z. B. Scara-Roboter geöffnet oder geschlossen, wobei die Türöffner die gleichen Schutzanforderungen wie Lackierroboter erfüllen müssen.

Einsatzbereich

Lackierroboter bzw. Beschichtungsroboter sind spezialisierte Vertikal-Knickarmroboter zur Oberflächenbeschichtung der Innen- und Außenseiten von Automobilkarosserien und Karosserie-Anbauteilen in der Serienfertigung. Ein Einsatzgrund ist der Schutz des Werkers vor gesundheitsgefährdenden Stoffen beim Lackierprozess sowie eine reproduzierbare gleichmäßige Qualität der Lackierung.
Typische Beschichtungsverfahren sind das elektrostatische Lackieren (ESTA) sowie das Spritz- und Pulverlackieren. Aufgetragene Materialien sind Nass- und Pulverlacke, Glasuren, Flockapplikationen, Klebstoffe, Unterbodenschutz und Hohlraumkonservierung. Weitere Aufgabe können z. B. das Beflammen zur Oberflächen-Vorbehandlung oder das Waschen von Karosserien sein. Die Roboter sind speziell für die schwierigen Umgebungsbedingungen einer Lackierstraße ausgerüstet, in explosionsgeschützter Bauweise ausgeführt und verfügen über Abdichtungen, um Einflüsse durch Farbrückstände zu verhindern.
Einsatzbereich sind Lackierstraßen und Lackierkabinen, bei denen hohe Flexibilität sowie auch schnelle Wechsel der Beschichtungsmaterialien und Farben gefordert sind. Wichtigste Anwenderbranche ist die Automobilindustrie.