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Lieferantenverzeichnis: Anlagen zum Dichtmittelauftrag

 

Lexikon: Anlagen zum Dichtmittelauftrag

Synonyme: Dichtraupenauftrag, Dichtungsautrag, Dosieranlagen zum Abdichten, Dichtstoffauftrag

Anlagen zum Dichtmittelauftrag

Quelle: SCA Schucker GmbH & Co.

Definition

Dosieranlagen zum Dichtmittelauftrag sind Systeme zum Aufbereiten, Mischen, Dosieren, Extrudieren und Auftragen von Dichtmitteln einschließlich der erforderlichen Handhabungstechnik. Dichtstoffe stellen eine Abdichtung durch Adhäsion an den Fugenflanken der Bauteile her und weisen eine ausreichend hohe Kohäsion auf, damit das anstehende Medium das Dichtmittel nicht durchdringen und zerstören kann. Im Gegensatz zu Klebstoffen dienen Dichtmittel nicht primär zur Aufnahme der Fügekräfte. Als Dichtmittel kommen üblicherweise Ein- oder Zweikomponenten-Materialien wie hochelastische Silicone oder zähelastische Polyurethane zum Einsatz.
Dichtmittel lassen sich an jede beliebige Werkstückgeometrie anpassen und ermöglichen in vielen Fällen wirtschaftlich und technisch bessere Lösungen zum Abdichten von Verbindungen.
Eine Anlage umfasst stets eine Materialversorgung, eine Materialflussdosierung, einen Dosier- und Mischkopf sowie eine Steuerung. Bei automatischen Anlagen kommt ein Handhabungssystem dazu, mit dessen Hilfe der Dosierkopf die vorprogrammierten Werkstückkonturen abfährt und das Dichtmittel appliziert. In der Regel kommen Handhabungssysteme mit mindestens drei Achsen wie Portale, kartesische Roboter oder Knickarmroboter zum Einsatz.

Funktionsprinzip

Vor dem Auftragen der Dichtmittel ist in der Regel eine Vorbehandlung der Dichtflächen erforderlich, um eine optimale Adhäsion durch chemische Bindungen oder physikalische Kräfte zu ermöglichen. Zunächst erfolgt eine Reinigung der Dichtflächen, anschließend kann ein Haftvermittler, auch als Primer bezeichnet, aufgetragen werden, der die Haftung des Dichtmittels auf der Dichtfläche unterstützt. Falls der Reinigungs- und Primerprozess schon länger vorher durchgeführt wurde, wird im Bedarfsfall die Funktionsfläche wieder aktiviert.
Gegebenenfalls werden die Komponenten zunächst aus dem Gebinde einzeln in evakuierte Materialdruckbehälter gepumpt und von einem Rührwerk umgerührt, um eine homogene und blasenfreie Konsistenz zu erhalten. Anschließend werden die Komponenten mit Hilfe von geeigneten Pumpen und Regelventilen zur Dosier- und Mischeinheit gefördert, in der die Komponenten gemischt und auf das Werkstück appliziert werden. Ein Handhabungssystem wie z. B. ein Portalsystem, ein kartesischer Roboter oder ein Knickarmroboter bewegt den Dosier- oder Mischkopf entlang der vorprogrammierten Kontur über das Werkstück und bringt das Dichtmittel auf, wobei die Steuerung die Regelung der Auftragsmenge mit der Verfahrgeschwindigkeit des Handhabungssystems koordinieren muss. Nachdem der Auftrag abgeschlossen ist, wird das Werkstück weitergefördert. Abhängig von den Materialien kann sich eine bestimmte Wartezeit anschließen, bis das Dichtmittel ausgehärtet und die Endfestigkeit erreicht ist.

Einsatzbereich

Anlagen zum Dichtmittelauftrag dienen zur Herstellung von Abdichtungen für Bauteile oder Baugruppen, die vor dem Eindringen von Luft, Gasen und Feuchtigkeit oder dem Austreten von Öl und Wasser geschützt werden sollen. Dichtmittel ermöglichen schnelle und preisgünstige Abdichtungen und bieten technisch oft die beste Möglichkeit zur Herstellung von Dichtungen mit hohen Anforderungen z. B. an die chemische Beständigkeit, Druck- und Temperaturfestigkeit etc. Dichtmittel lassen sich für jede beliebige Bauteilgeometrie einsetzen. Typische Einsatzbereiche sind Nahtabdichtungen an Karosserien, Rohbauten, Ölwannen oder an Automobil-Aggregaten. Wichtige Anwenderbranchen sind die Automobilzuliefer- und Automobilindustrie.